Offsetdruck: Funktionsweise, Technik und Einsatzbereiche
Was ist Offsetdruck?
Anders als der Digitaldruck, der auch bei kleinen Stückzahlen wirtschaftlich bleibt, lohnt sich Offsetdruck erst ab größeren Auflagen, dafür aber mit konstant hoher Druckqualität über die gesamte Laufzeit. Technisch handelt es sich um ein indirektes Flachdruckverfahren, bei dem die Druckfarbe zunächst von einer Druckplatte auf einen Gummituchzylinder übertragen und erst von dort auf den Bedruckstoff „abgesetzt“ wird, daher auch der Name.
Wie funktioniert Offsetdruck genau?
Grundlage des Verfahrens ist ein einfaches physikalisches Prinzip: Fetthaltige Druckfarbe und Wasser stoßen sich gegenseitig ab. Die druckenden Bereiche der Druckplatte nehmen Farbe auf und bleiben trocken, die nicht-druckenden Bereiche werden über ein Feuchtwerk mit Wasser benetzt und bleiben farbfrei. Für den vierfarbigen CMYK-Druck läuft der Bedruckstoff durch mindestens vier Druckwerke, eines pro Grundfarbe, jedes mit eigener Druckplatte und eigenem Gummituchzylinder.
Man unterscheidet zwei Bauformen: Beim Bogenoffsetdruck wird einzeln zugeschnittenes Papier bogenweise eingezogen, wirtschaftlich meist zwischen 1.000 und 50.000 Exemplaren. Beim Rollenoffsetdruck läuft das Papier dagegen von großen Papierrollen und wird beidseitig in einem Durchlauf bedruckt, was das Verfahren erst ab Auflagen von etwa 50.000 Exemplaren wirtschaftlich macht, etwa für Zeitungen, Kataloge oder Zeitschriften. Eine Weiterentwicklung ist der wasserlose Offsetdruck, bei dem eine hauchdünne Silikonschicht das Feuchtmittel ersetzt und sich dadurch der Ausschuss an Fehldrucken deutlich reduzieren lässt.
Für die Praxis entscheidend ist die Laufrichtung des Papiers, die beim Rollenoffsetdruck durch die Produktion fest vorgegeben ist und bei der Weiterverarbeitung (Falzen, Binden) mitbedacht werden muss, ebenso wie eine saubere Farbabstimmung über alle vier Druckwerke hinweg, ohne die es schnell zu Farbverschiebungen im fertigen Druck kommt.

Beispiele für Offsetdruck
Eine Werbeagentur, die 20.000 Flyer für eine bundesweite Kampagne braucht, bekommt diese Menge im Bogenoffsetdruck günstiger pro Stück als im Digitaldruck beim Copyshop, der bei solchen Mengen schnell unwirtschaftlich wird. Ein Verlag, der eine Tageszeitung mit täglich mehreren hunderttausend Exemplaren produziert, kommt praktisch nur über den Rollenoffsetdruck auf die nötige Geschwindigkeit und Stückzahl.
Wusstest du?
Der Offsetdruck entstand 1904 durch einen Zufall: Der New Yorker Drucker Ira Rubel vergaß bei seiner Steindruckpresse einmal, Papier einzulegen, wodurch sich das Motiv auf den Gummizylinder übertrug. Das danach eingelegte Papier zeigte ein schärferes Bild als der direkte Steindruck, und Rubel baute daraus die erste Offsetpresse.
Schätzungen zufolge wird bis heute rund 60 Prozent aller gedruckten Produkte im Offsetdruckverfahren hergestellt, trotz der wachsenden Konkurrenz durch den Digitaldruck bei kleinen Auflagen.
Die ISO 12647-2 legt als ProzessStandard Offsetdruck (PSO) verbindliche Werte für Farbabstimmung und Druckqualität fest, damit ein Katalog bei zwei verschiedenen Druckereien farblich vergleichbar aussieht.
Beim wasserlosen Offsetdruck entfällt der Einsatz von Isopropanol im Feuchtmittel komplett, zusätzlich sinkt die Makulatur, also der Ausschuss an Fehldrucken beim Einrichten der Maschine, um schätzungsweise 30 bis 60 Prozent.