Sonderfarben: Exakte Markenfarben jenseits von CMYK
Was sind Sonderfarben?
Sonderfarben, auch Schmuckfarben oder Volltonfarbe genannt, sind vorab fertig gemischte Druckfarben, die als eigene, zusätzliche Farbe neben oder anstelle der vier Prozessfarben Cyan, Magenta, Yellow und Key aufgetragen werden. Anders als beim CMYK-Druck wird der gewünschte Farbton also nicht aus vier Grundfarben gemischt, sondern als fertige fünfte oder sechste Farbe direkt gedruckt. Die bekanntesten Sonderfarbsysteme im klassischen Druck sind Pantone und das im deutschsprachigen Raum verbreitete HKS. In der Werbetechnik, etwa bei Bannern, Beschilderung oder Folierung, kommt daneben häufig auch RAL zum Einsatz.
Pantone, HKS und RAL im Überblick
Der CMYK-Farbraum kann bestimmte Töne nicht exakt abbilden, etwa leuchtende Neontöne, Gold- und Silbertöne oder eine ganz bestimmte Corporate-Design-Farbe. Genau dafür wurden Sonderfarbsysteme entwickelt, die den gewünschten Ton über einen Farbfächer eindeutig festlegen.
- Pantone: weltweit meistgenutztes System, international einheitlich, mit den Varianten Coated (C) und Uncoated (U) für gestrichenes bzw. ungestrichenes Papier.
- HKS: vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet, 88 Basisfarben mit insgesamt rund 3.520 Volltonfarben, mit den Fächervarianten K (Kunstdruckpapier) und N (Naturpapier).
- RAL: in Deutschland entwickeltes Farbsystem, vor allem in der Werbetechnik bei Beschilderung, Fassaden und Folierung gebräuchlich. RAL-Farben lassen sich allerdings nicht direkt im Offsetdruck drucken, für den Druck wird stattdessen meist die passende Pantone-Farbe verwendet.
In den Druckdaten müssen Sonderfarben korrekt als eigener Farbkanal benannt werden, etwa in InDesign, damit die Druckerei sie richtig erkennt und als zusätzliche Druckform anlegt. Wird das vergessen oder der Kanal falsch benannt, druckt die Druckerei den Farbton im Zweifel aus CMYK nach, wodurch die gewünschte Farbverbindlichkeit verloren geht. Auf dem Auftrag taucht das dann oft als Bezeichnung wie 5/0-farbig oder 6/0-farbig auf, je nachdem wie viele Sonderfarben zusätzlich zum Standarddruck zum Einsatz kommen.
Spezial- und Veredelungsfarben
Sonderfarben beschränken sich nicht nur auf Buntfarben, sondern umfassen auch funktionale Tinten:
- Metallic-Farben: Gold-, Silber- und Bronzetöne, die auf Pigmentbasis von Pantone oder HKS gedruckt werden und einer Drucksache einen hochwertigen, glänzenden Effekt verleihen, etwa bei Einladungskarten, Etiketten oder hochwertigen Verpackungen.
- Fluoreszierende Farben: Neon- und Tagesleuchtfarben für extrem hohe Aufmerksamkeit, etwa bei Warnhinweisen, Plakaten oder Werbebannern.
- UV- und Sicherheitsfarben: nur unter UV-Licht sichtbare Farben für Echtheitszertifikate, Eintrittskarten oder fälschungssichere Drucke.
- Deckweiß (Spot White): deckende weiße Sonderfarbe, die als Grundierung auf transparenten, farbigen oder dunklen Materialien wie Acrylglas, Folie oder schwarzem Karton dient, damit andere Farben darauf richtig zur Geltung kommen.
- Thermochrome Farben: ändern ihre Farbe durch Wärme- oder Kälteeinfluss.


| Kriterium | Pantone | HKS |
|---|---|---|
| Verbreitung | international, weltweiter Standard | vor allem deutschsprachiger Raum |
| Umfang | rund 1.700 Basisfarben, mit Erweiterungen mehr | 88 Basisfarben, rund 3.520 Volltonfarben mit Abstufungen |
| Papiervarianten | C (Coated) und U (Uncoated) | K (Kunstdruckpapier) und N (Naturpapier) |
| Herkunft | USA, seit 1963 | Deutschland, seit 1968 |
Beispiele für Sonderfarben
Wer zum Beispiel Visitenkarten oder Briefpapier mit einem festen Firmenlogo drucken lässt, wählt oft eine einzelne Sonderfarbe genau für dieses Logo, während der restliche Text ganz normal in Schwarz gedruckt wird, ein solcher Auftrag läuft dann typischerweise als 2/0-farbiger Druck. Auch für Leucht- oder Neonfarben und Metallic-Effekte, die sich grundsätzlich nicht aus CMYK mischen lassen, sind Sonderfarben oft die einzige Möglichkeit, den gewünschten Effekt zu erzielen, etwa bei auffälligen Postkarten oder Werbematerialien.
Wusstest du?
Drei Hersteller, ein Name
Der Name HKS setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Druckfarbenhersteller Hostmann-Steinberg, Kast und Ehinger sowie Schmincke zusammen, die das System gemeinsam seit 1968 definieren.
Lawrence Herbert, 1963
Das Pantone-Farbsystem geht auf den Amerikaner Lawrence Herbert zurück, der es 1963 entwickelte. 2010 kamen mit Pantone Plus 224 neue Farben hinzu, 2012 zum 50-jährigen Jubiläum weitere 336.
Internationaler Markenschutz
Für die Marke Milka wurde eine eigene Pantone-Farbe zwischen zwei bestehenden Nummern des Farbfächers angelegt und international als Farbmarke eintragen lassen, unter anderem bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) in Genf.