Druckraster: wie AM- und FM-Raster den Druck steuern
Was ist ein Druckraster?
Wer ein Foto oder eine Grafik für den Offsetdruck vorbereitet, stößt zwangsläufig auf Rasterung: Da eine Druckmaschine pro Farbe immer nur Volltonfarbe auftragen kann, zerlegt die Rasterung jedes Bild in winzige Punkte unterschiedlicher Größe oder Dichte, die erst aus Leseabstand wieder zu stufenlosen Grautönen und Farbverläufen verschmelzen. Man unterscheidet dabei vor allem den klassischen amplitudenmodulierten Raster (AM-Raster) und die frequenzmodulierte Rastertechnik (FM-Raster).
Wie unterscheiden sich AM-Raster und FM-Raster?
Beim AM-Raster sitzen die Rasterpunkte in einem festen, regelmäßigen Gitter, nur ihre Größe ändert sich: Dunkle Bildbereiche bekommen große, helle Bereiche kleine Punkte. Die Feinheit dieses Gitters wird als Rasterweite angegeben, etwa als „80er Raster“ mit 80 Rasterpunkten pro Zentimeter, im Offsetdruck sind je nach Bedruckstoff Rasterweiten zwischen 70 und 200 Linien pro Zoll üblich.
Beim FM-Raster bleibt die Punktgröße dagegen konstant, stattdessen variiert, wie dicht die winzigen Punkte zufällig über die Fläche verteilt werden. Weil es dadurch kein festes Rastergitter und keine festen Rasterwinkel mehr gibt, kann auch kein Moiré-Effekt entstehen, der unruhige Schlieren-Muster, die bei zwei überlagerten Rastern auftreten können. Dafür verlangt FM-Raster höhere Anforderungen an Druckplatten und Maschine und reagiert empfindlicher auf Schwankungen in der Belichtung.
Beim klassischen AM-Raster im CMYK-Vierfarbdruck wird deshalb jede der vier Druckfarben in einem eigenen Winkel gerastert, nach DIN 16547 beispielsweise Gelb bei 0°, Cyan bei 15°, Schwarz bei 45° und Magenta bei 75°, damit sich die vier Rastergitter beim Übereinanderdrucken nicht gegenseitig zu einem Moiré-Muster überlagern. In der Praxis setzen viele Druckereien inzwischen auf einen Hybridraster, der AM-Raster für große, gleichmäßige Flächen mit FM-Raster für feine Details und Schattenbereiche kombiniert.


Beispiele für Rasterung
Ein Hochglanzprospekt mit großflächigen Produktfotos und ruhigen Himmel- oder Hautverläufen läuft in der Praxis fast immer über klassischen AM-Raster, weil der hier besonders stabil und prozesssicher druckt. Banknoten, Sicherheitsdokumente oder sehr feine Illustrationen mit filigranen Linien setzen dagegen häufig auf FM-Raster, weil sich damit auch kleinste Details ohne Moiré-Risiko reproduzieren lassen.
Wusstest du?
Geliehen vom Seidenstoff
Der Begriff Moiré stammt ursprünglich aus der Textilbranche und bezeichnete dort das schillernde Flimmermuster gewässerter Seide, lange bevor er zum Fachbegriff für Rasterfehler im Druck wurde.
Vier feste Winkel
Die DIN 16547 schreibt für den klassischen Vierfarbdruck feste Rasterwinkel je Druckfarbe vor, damit sich die vier übereinanderliegenden Raster nicht zu einem Moiré-Muster überlagern.
Kein Muster, keine Chance
FM-Raster verteilt seine Punkte absichtlich unregelmäßig, genau diese Unordnung macht ihn moiréfrei, weil sich kein festes Muster mit einem anderen Raster überlagern kann.
Das Beste aus beiden
Hybridraster kombinieren AM-Raster für große ruhige Flächen mit FM-Raster für feine Schattenbereiche und gelten als Versuch, die Vorteile beider Techniken gleichzeitig zu nutzen.