Grammatur: das Flächengewicht von Papier richtig einordnen
Was ist Grammatur?
Grammatur ist das Flächengewicht von Papier, Karton oder Pappe, angegeben in Gramm pro Quadratmeter (g/m²). Sie wird nach der internationalen Norm DIN EN ISO 536 bestimmt und entscheidet maßgeblich über Dicke, Stabilität und Einsatzzweck eines Druckmaterials.
Welche Grammatur passt zu welchem Druckprodukt?
Unter 150 g/m² spricht man von Papier, zwischen 150 und 600 g/m² von Karton, darüber von Pappe. In den Übergangsbereichen (etwa 150 bis 250 g/m² sowie 500 bis 600 g/m²) ist die Grenze fließend, hier werden beide Bezeichnungen parallel verwendet. In der Praxis orientieren sich die gängigen Werte an diesen Bereichen: 80 g/m² für Kopier- und Briefpapier, 100 bis 135 g/m² für Flyer und Broschüren, 170 bis 250 g/m² für Plakate und Postkarten, und bei Visitenkarten sind 350 g/m² mittlerweile der Standard, mit Duplex- oder Triplex-Kaschierungen auch deutlich darüber.
Gemessen wird die Grammatur, indem ein klimatisierter Bogen von genau einem Quadratmeter gewogen wird. Wichtig für die Druckvorstufe: Papiergewicht und Papierdicke sind nicht dasselbe. Ein voluminöses, ungestrichenes Naturpapier kann bei gleicher Grammatur spürbar dicker sein als ein gestrichenes Hochglanzpapier, weil die Beschichtung Gewicht hinzufügt, ohne die Dicke im gleichen Maß zu steigern (der sogenannte Bulk-Faktor).
Häufiger Fehler: Wird ein Druckprodukt ab etwa 170 g/m² gefalzt, sollte vorher gerillt werden, sonst bricht die Druckfarbe sichtbar an der Falzkante und das Papier knickt unsauber. Wer nur auf die Grammatur schaut und die Rillung vergisst, bekommt bei Broschüren und Flyern mit dickerem Papier schnell ein unschönes Ergebnis.
Beispiele für Grammatur
Am deutlichsten wird der Unterschied beim direkten Vergleich in der Hand: Ein normales Blatt Kopierpapier mit 80 g/m² Quadratmetergewicht wirkt fast durchscheinend, eine Visitenkarte mit 350 g/m² dagegen knickt kaum und fühlt sich sofort wertiger an. Das Druckverfahren selbst spielt dabei keine Rolle, auch Formate wie DIN-Formate sind unabhängig von der Grammatur definiert. Wer bei der Papierwahl zusätzlich auf nachhaltige Rohstoffe achtet, findet dazu mehr unter FSC-Zertifizierung.
Wusstest du?
Klimaraum vorgeschrieben
Vor der Wägung wird das Papier nach ISO 187 bei genau 23°C und 50% relativer Luftfeuchte klimatisiert, da schon kleine Feuchteschwankungen das gemessene Flächengewicht verändern.
g/m² schlägt Pfund
In den USA und Kanada wird Papiergewicht stattdessen in Pfund (lb) pro Papierries angegeben, bezogen auf ein branchenspezifisches Standardformat, was den direkten Vergleich mit g/m² erschwert.
Unter 25 Gramm
Hauchdünnes Seidenpapier bringt es auf nur 17 bis 25 g/m², weniger als ein Drittel von Kopierpapier, und wird unter anderem als Schutzpapier in Büchern verwendet.
A0 als Messlatte
Ein A0-Bogen misst nach ISO 216 exakt einen Quadratmeter. Bei 80 g/m² Papier wiegt ein A0-Bogen deshalb genau 80 Gramm, ganz ohne Umrechnung.