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Nutung: Falzkanten bei dickem Papier und Karton vorbereiten

Was ist Nutung?

Wird dickes oder beschichtetes Papier ohne Vorbereitung gefaltet, bricht die Druckfarbe sichtbar an der Kante und die Oberfläche reißt unschön auf. Mit Nutung ist im Sprachgebrauch der Druckbranche meist genau diese Bearbeitung der Falzkante gemeint, bei der das Material zusammengepresst statt tatsächlich abgetragen wird. Ab etwa 170 g/m² lohnt sich das optisch, ab rund 200 bis 250 g/m² ist es vor allem bei folienkaschierten Materialien zwingend notwendig.

Nutung, Rillen oder Ritzen: Wo liegt der Unterschied?

Streng genommen sind Nuten und Rillen zwei verschiedene Verfahren. Beim Nuten schneidet ein Werkzeug tatsächlich einen keilförmigen Span aus dem Material heraus, ein zerspanendes Verfahren, das in der Druckpraxis eher selten vorkommt. Gemeint ist mit „Nutung“ im Alltag aber fast immer das Rillen: Ein stumpfes Rillmesser presst das Material gegen eine passende Gegenform (die Rillnut) zusammen, ohne etwas zu entfernen. Die beiden Begriffe werden umgangssprachlich praktisch synonym verwendet, auch wenn nur einer davon dem tatsächlich verwendeten Verfahren entspricht.

Besonders bei folienkaschierten Umschlägen und Verpackungen ist die Bearbeitung der Falzkante wichtig: Ohne sie reißt die Folie an der Kante oder wirkt stumpf und milchig. Auch die Laufrichtung des Papiers spielt eine Rolle, eine Falzlinie quer zur Faser ist deutlich bruchanfälliger als eine Falzlinie entlang der Faser.

Häufiger Fehler: Wer beim Druckdienstleister ausdrücklich „Nuten“ bestellt, aber eigentlich die übliche Rillung meint, sorgt schnell für Missverständnisse bei Preis und Produktionsweg. Klarer ist es, von einer „Bearbeitung der Falzkante“ zu sprechen und dazu die Grammatur des Materials zu nennen. Der Begriff „Ritzen“ wird in der Praxis ebenfalls häufig lose als Synonym verwendet, bezeichnet technisch aber eher feine, nicht belastbare Linien, etwa dekorative Aufreißhilfen per Laser, die für tragende Falzkanten nicht geeignet sind.

Links die fertige Karte, rechts die Rilllinie in Nahaufnahme: sauber vorbereitet bricht die Prägung nicht an der Falzkante.

Beispiele für Nutung

Eine folienkaschierte Faltschachtel ab etwa 250 g/m² braucht die Bearbeitung der Falzkante praktisch immer, sonst reißt die Folie beim Falten sichtbar auf. Bei einer festen Grußkarte mit 170 bis 200 g/m² reicht die Rillung oft schon aus optischen Gründen, zwingend nötig ist sie hier noch nicht. Wenn ein Kunde umgangssprachlich von „genuteten“ oder „geritzten“ Faltlinien spricht, meint er in den allermeisten Fällen genau diese Rillung.

Wusstest du?

Maschine

Rotierend oder im Flachbett

Für große Auflagen laufen Rillungen über rotierende Rillräder direkt in der Druckmaschine, für kleine Stückzahlen und Sonderformen übernehmen Flachbett-Stanzformen dieselbe Aufgabe.

Wellpappe

Faltet sich fast von selbst

Wellpappe braucht an vielen Stellen gar keine zusätzliche Rillung, die Wellenstruktur zwischen den Decklagen wirkt selbst schon wie eine vorgefertigte Faltlinie.

Faustregel

Abstand zur Kante

Als Faustregel gilt ein Mindestabstand von etwa 5 mm zwischen Rilllinie und Bogenkante, sonst reißt das Material beim Falten an der Ecke aus.

Kombination

Rillen plus Perforation

Bei Versandkartons und Snack-Verpackungen wird eine Rilllinie oft mit einer Perforation kombiniert, damit sich eine Lasche leicht abreißen, aber vorher nicht versehentlich aufklappen lässt.