Opazität: Wie blickdicht ein Papier wirklich ist
Was ist Opazität?
Opazität bezeichnet die Lichtundurchlässigkeit von Papier und Karton, also wie stark ein Druckbild von der Rückseite durch das Papier hindurch sichtbar wird. Gemessen wird sie nach ISO 2471 als Prozentwert: Je höher die Opazität, desto weniger scheint der Druck der Gegenseite durch.
Wie wird Opazität gemessen und wovon hängt sie ab?
Gemessen wird die Opazität, indem die Lichtreflexion eines Bogens vor schwarzem Hintergrund mit der Reflexion desselben Bogens vor weißem Hintergrund verglichen wird. Bei 100% Opazität wäre ein Papier vollständig blickdicht, in der Praxis bewegen sich hochwertige Druckpapiere meist zwischen 92 und 99%. Für beidseitig bedrucktes Papier gilt ein Wert von mindestens 80% als Untergrenze, darunter wird der sogenannte Durchschuss, also das Durchscheinen der Rückseite, deutlich sichtbar und stört die Lesbarkeit.
Drei Faktoren beeinflussen die Opazität maßgeblich: die Grammatur des Papiers, denn mehr Material blockiert mehr Licht, die Faserstruktur, wobei kurze, dicht gepackte Fasern besser abdecken als lange, voluminöse, und Füllstoffe wie Kaolin oder Kreide, die gezielt zwischen die Fasern eingelagert werden und zusätzlich streuen.
Häufiger Fehler: Opazität wird oft mit dem Weißgrad verwechselt, obwohl beide Werte unabhängig voneinander sind. Ein Papier kann sehr hell und weiß wirken und trotzdem eine niedrige Opazität haben, etwa dünnes, ungestrichenes Naturpapier. Wer nur auf den Weißgrad achtet, kann bei doppelseitigem Druck böse überrascht werden, wenn der Text der Rückseite deutlich durchscheint.
Beispiele für Opazität
Zeitungspapier hat bewusst eine niedrige Opazität von oft nur 60 bis 70%, weil es dünn und günstig sein muss, weshalb Zeitungen meist auch nur einseitig oder mit bewusst reduziertem Kontrast bedruckt werden. Hochwertiges Bilderdruckpapier für Kataloge oder Broschüren erreicht dagegen Werte von 97% und mehr, oft durch Striche mit Kreide oder Kaolin, wie sie auch bei folienkaschierten Produkten zum Einsatz kommen. Ein Briefbogen aus 80 g/m² Offsetpapier mit guter Opazität lässt sich beidseitig bedrucken und beschreiben, ohne dass der Briefkopf der Rückseite störend durchscheint.
Wusstest du?
Aus dem Lateinischen
Der Begriff stammt vom lateinischen „opacitas“ für Trübung oder Beschattung und wurde über die Fachsprache der Papierindustrie ins Deutsche übernommen.
Das Opazimeter
Für eine schnelle Einschätzung ohne Labor gibt es das Opazimeter, eine optische Messschablone mit verschieden großen Schriftzeichen: Je weniger davon durch das Papier hindurch lesbar ist, desto höher die Opazität.
Kein Qualitätsmerkmal allein
Opazität und Weißgrad werden komplett getrennt gemessen und sagen nichts übereinander aus, ein Papier kann strahlend weiß und trotzdem sehr durchscheinend sein.
TAPPI statt ISO
In den USA wird Opazität meist nach TAPPI T425 statt nach ISO 2471 gemessen, mit leicht abweichender Berechnungsgrundlage für den Kontrastwert.