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Rollendruck: Drucken direkt von der Materialrolle

Was ist Rollendruck?

Rollendruck ist ein Druckverfahren, bei dem nicht einzelne Papierbögen, sondern eine durchgehende Materialbahn direkt von großen Rollen bedruckt wird. Die bekannteste technische Umsetzung ist der Rollenoffsetdruck, der überall dort zum Einsatz kommt, wo sehr große Mengen in kurzer Zeit entstehen sollen, etwa bei Zeitungen, Zeitschriften oder Katalogen.

Wie funktioniert Rollendruck in der Praxis?

Der entscheidende Unterschied zum Bogen-Offsetdruck liegt in der Materialzufuhr: Statt einzelner, nacheinander eingezogener Bögen läuft beim Rollendruck eine endlose Bahn durch die Maschine, die erst am Ende automatisch geschnitten und gefalzt wird. Dadurch lassen sich Vorder- und Rückseite (Schön- und Widerdruck) in einem einzigen Durchlauf bedrucken, was den Prozess deutlich schneller macht als vergleichbare Durchgänge im Bogendruck.

Innerhalb des Rollenoffsetdrucks wird zusätzlich zwischen zwei Varianten unterschieden: Beim Heatset-Verfahren wird die Druckfarbe über Wärme getrocknet, was glänzende, hochwertige Oberflächen für Prospekte, Zeitschriften und Kataloge ermöglicht. Beim Coldset-Verfahren entfällt diese Trocknung komplett, hier kommt die saugfähige Eigenschaft von klassischem Zeitungspapier zum Tragen, etwa bei Tageszeitungen und Taschenbüchern.

Wirtschaftlich lohnt sich Rollendruck vor allem bei größeren Stückzahlen: Die Einrichtung der Maschine ist aufwendiger als im Digitaldruck, dafür sinken die Kosten pro Exemplar mit steigender Auflage sehr schnell. Wer dagegen kleine Mengen oder individuell personalisierte Druckstücke benötigt, ist mit dem Digitaldruck meist besser bedient, da dort keine Mindestauflage für die Wirtschaftlichkeit nötig ist.

Bogendruck Presse Rollendruck Presse einzelne Bögen endlose Materialbahn Schön- und Widerdruck meist in zwei Durchgängen Schön- und Widerdruck in einem Durchgang
Bogendruck mit einzeln eingezogenen Papierbögen im Vergleich zum Rollendruck mit einer durchlaufenden Materialbahn.

Beispiele für Rollendruck

Rollendruck begegnet dir öfter im Alltag, als es auf den ersten Blick scheint: Die Tageszeitung, die morgens im Briefkasten liegt, der dicke Werbeprospekt vom Wochenende oder das Taschenbuch im Regal sind in aller Regel im Rollendruck entstanden, nicht im Bogendruck. Auch viele Produktetiketten, die auf Rollen angeliefert und dann auf Flaschen oder Verpackungen aufgebracht werden, laufen technisch über Rollendruckmaschinen, nur eben in deutlich kleineren Formaten als bei einer Zeitungsrotation.

Wusstest du?

Geschwindigkeit

Bis zu 900 Meter pro Minute

Moderne Rollendruckmaschinen im Offset- und Tiefdruck erreichen je nach Papier und Druckbild Bahngeschwindigkeiten zwischen 600 und 900 Metern pro Minute.

Norm

ISO 12647-3

Diese internationale Norm legt die Prozessstandards für den Coldset-Rollenoffsetdruck auf Zeitungspapier fest, unter anderem für Tonwertzunahme und Rasterfeinheit.

Erfindung

Patent von 1863

Der Amerikaner William Bullock ließ sich am 14. April 1863 die erste funktionierende Rollenrotationsmaschine patentieren, die 1865 beim Philadelphia Public Ledger anlief.

Voraussetzung

Endlospapier aus Wien

Die dafür nötige, unterbrechungsfreie Papierrolle geht auf eine Erfindung des Österreichers Alois Auer von Welsbach aus dem Jahr 1858 zurück.