Kartonarten: der Überblick über die wichtigsten Kartontypen im Druck
Was sind Kartonarten?
Kartonarten (auch Kartonsorten genannt) bezeichnen die verschiedenen Ausprägungen von Karton, die sich vor allem nach Rohstoff, Lagenaufbau und Oberflächenbeschichtung unterscheiden. Entscheidend ist dabei, ob ein Karton aus frischen Primärfasern oder aus recyceltem Sekundärfaserstoff besteht und ob seine Vorderseite gestrichen oder naturbelassen ist, daraus leiten sich gängige Typen wie Chromokarton oder Duplexkarton ab. In der Praxis gelten Grammaturen von etwa 150 bis 600 Gramm pro Quadratmeter als Karton, alles Leichtere läuft stattdessen unter den jeweiligen Papiersorten.
Gängige Kartonarten im Druck
Nicht jeder Karton trägt dabei eine eigene Fachbezeichnung. Ein großer Teil der alltäglichen Drucksachen läuft einfach als Standardkarton einer bestimmten Grammatur, meist zwischen 250 und 350 Gramm pro Quadratmeter, etwa für Visitenkarten, Einladungskarten, Postkarten oder Eintrittskarten, ohne dass dabei eine der unten genannten Spezialbezeichnungen eine Rolle spielt. Erst bei besonderen Anforderungen wie Prägefähigkeit, einer zusätzlich weißen Rückseite oder einem günstigeren Preis kommen die spezialisierten Kartonarten ins Spiel. Für hochwertige, bedruckte Verpackungen und Drucksachen dominieren dabei die gestrichenen Faltschachtelkartons. International läuft die gesamte Gruppe unter der Sammelbezeichnung FBB (Folding Boxboard), im deutschsprachigen Raum unterscheiden Kürzel wie GC, GZ, GD und GT nach Rohstoff und Lagenaufbau:
- Chromokarton (GC1/GC2) – mehrlagiger, weiß gestrichener Karton aus reinen Primärfasern, bei GC1 ist zusätzlich die Rückseite gestrichen, bei GC2 bleibt sie hell und naturbelassen. Dank der glatten Oberfläche eignet er sich besonders für Faltschachteln mit kräftiger Farbwiedergabe.
- Chromosulfatkarton (GZ) – ebenfalls aus holzfreiem Primärfaserzellstoff, aber in allen Lagen, dadurch besonders hochweiß und formstabil. Üblich für Visitenkarten, Postkarten, Mappen und hochwertige Verpackungen.
- Duplexkarton (GD) – zweilagiger Karton mit weißer Vorderseite, dessen Rückseite aus günstigerem Sekundärfaserstoff besteht und meist grau durchscheint. Günstiger als Chromokarton bei ähnlicher Druckqualität auf der Schauseite.
- Triplexkarton (GT) – dreilagiger Aufbau aus Sekundärfasern, dadurch dicker und steifer als Duplexkarton, häufig bei größeren Faltschachteln und Displays im Einsatz.
Recycling- und Naturkarton
Bei nachhaltigen Varianten ist Graukarton die einfachste Form: Er besteht vollständig aus Altpapier, ist durchgehend grau eingefärbt und kommt ohne weiße Deckschicht aus, typisch für Ordnerrücken, Buchdeckel-Unterbauten oder einfache Umverpackungen. Naturkarton dagegen bleibt ungebleicht und unbehandelt, besteht meist aus Frischfaser und wirkt dadurch bräunlich, er wird vor allem dort eingesetzt, wo die ökologische Herkunft optisch sichtbar bleiben soll. Wie bei FSC zertifiziertem Papier lohnt sich auch bei Karton ein Blick auf das Siegel, da Herkunft und Recyclinganteil je nach Hersteller stark variieren.
Spezial- und Einsatzkarton
Neben den klassischen Faltschachtelkartons gibt es Kartonarten, die gezielt für einen bestimmten Zweck entwickelt wurden und im normalen Verpackungsdruck seltener vorkommen:
- Wellpappenkarton – eine gewellte Mittellage zwischen zwei glatten Decklagen sorgt für hohe Stoßfestigkeit. Die gröbere B-Welle eignet sich für reine Transportkartons, die feinere E-Welle für bedruckte Produktverpackungen. Fertige Schachteln und Umverpackungen aus Karton oder Wellpappe werden in der Branche meist als Kartonagen bezeichnet.
- Plakatkarton – einseitig weiß gestrichener, besonders biegesteifer Chromokarton mit heller Rückseite, typisch für Displays, Preisschilder und Dekorationen im Handel.
- Vollpappe (Buchbinderpappe) – ab etwa 600 g/m² nicht mehr offiziell als Karton, sondern als Pappe geführt, aber in der Praxis oft noch so bezeichnet. Extrem formstabil, Standard für Bucheinbände und feste Mappen.
- Archiv- und Museumskarton – säurefreier, alterungsbeständiger Karton ohne Lignin, verhindert das Vergilben und Verspröden bei der Langzeitlagerung von Urkunden, Kunstwerken oder Archivmaterial.
Beispiele für die Kartonarten-Wahl
Für Visitenkarten greifen die meisten Druckereien zu Chromosulfatkarton oder Chromokarton um die 350 g/m², weil beide eine satte, gleichmäßige Farbwiedergabe liefern. Eine Kosmetikverpackung mit glänzendem Finish entsteht dagegen meist auf GC1-Chromokarton, während die dazugehörige Versandverpackung aus Wellpappe mit B-Welle besteht, da hier Stoßfestigkeit wichtiger ist als Druckqualität. Bei einem Hardcover-Buchumschlag wiederum kommt im Kern oft Vollpappe zum Einsatz, die erst anschließend mit Papier oder Gewebe bezogen wird.
Wusstest du?
Schachtel aus England, 1817
Die erste kommerziell produzierte Kartonschachtel wurde 1817 in England patentiert, zunächst vor allem um Hüte zu transportieren.
Wellpappe als Versehen
Die Wellpappe entstand 1871 eher zufällig: Albert L. Jones wollte ursprünglich eine Maschine zum Plissieren von Stoffen bauen und ließ stattdessen Papier hindurchlaufen.
Corn Flakes als Vorreiter
1906 gehörte Kellogg’s zu den ersten Unternehmen, die Lebensmittel in einer bedruckten Faltschachtel aus Karton verkauften, ein wichtiger Schritt zur modernen Konsumgüterverpackung.
Ein Kürzel für alle
Unabhängig davon, ob ein Hersteller seinen gestrichenen Faltschachtelkarton GC, GD oder GT nennt: International hat sich dafür die gemeinsame Abkürzung FBB für Folding Boxboard durchgesetzt.